INSPIRATIONEN

Ohne Wasser keine Nahrung:
EINE MILLIARDE MENSCHEN HUNGERN.Heute leiden eine Milliarde Menschen an Hunger. Rund die Hälfte davon lebt in Asien, ein Viertel in Afrika südlich der Sahara. Von chronischem Hunger betroffen sind vor allem Menschen in ländlichen Regionen, die als Kleinbauern leben und arbeiten. Frauen und Kinder sind besonders gefährdet. Alle sechs Sekunden stirbt ein Kind an den Folgen von Hunger. In Entwicklungsländern ist jedes vierte Kind unterernährt.
Wassermangel und andere Gründe
Menschen hungern nicht deshalb, weil es auf der Welt zu wenig Nahrungsmittel gibt, sondern weil die Güter ungerecht verteilt sind und die natürlichen Ressourcen falsch genutzt werd. Dabei spielt das Wasser eine Schlüsselrolle.
- In Dürreperioden werden Ernten vernichtet.
- Oft werden Bewässerungsmethoden angewendet, die den lokalen Verhältnissen nicht angepasst sind.
- Plantagen, die für den Export produzieren, gehen mit Wasser verschwenderisch um und graben den Kleinbauern das Wasser ab.
- Dünger und Pestizide verschmutzen das Grundwasser.

Reuters/Howard Burditt
Innovative Landwirtschaft
Um die stille Hungerkatastrophe nachhaltig zu bekämpfen, braucht es eine gerechte Verteilung des Wassers sowie eine lokal angepasste und ökologische Landwirtschaft, die mit weniger Wasser auskommt und das Grundwasser schont.

Landwirtschaft - Misswirtschaft
Rund 70 Prozent des weltweiten Wasserverbrauchs geht aufs Konto der Landwirtschaft. Doch ein Grossteil dieses Wasser verdunstet ungenutzt, wenn es mit Sprinkleranlagen verteilt wird oder wenn Felder geflutet werden.
Unsachgemässe Bewässerung ist nicht nur ineffizient, sondern schadet auch der Umwelt. Jedes Jahr wird über eine Million Hektar unfruchtbar, weil der Boden versalzt oder erodiert. Fast eine Milliarde Menschen leiden nach wie vor Hunger, obwohl dreimal mehr Anbaufläche bewässert wird als vor 50 Jahren.
Wasserreserven angezapft
Mit der Bewässerungslandwirtschaft werden jahrtausendalte Wasserreserven aufgebraucht:
Drei Beispiele:
- Der Aralsee in Zentralasien trocknet immer weiter aus. Seit den 1950er Jahren wurde dem See permanent Wasser entnommen, v.a. für Baumwollplantagen. Die Bewässerungskanäle sind so schlecht abgedichtet, dass über die Hälfte des Wassers unterwegs verloren geht.
- Saudi-Arabien zapft bei Najd Grundwasser an, um in der Wüste Weizen für den Export anzubauen. In wenigen Jahren wird es aufgebraucht sein.
- Libyen pumpt fossiles Grundwasser aus der Wüste in die Städte und auf die Felder an der Küste - über kilometerlange Leitungen (Great Man Made River Projekt). In wenigen Jahrzehnten wird die Ressource erschöpft sein.

Bild: Bewässerung der Weizenfelder in der saudischen Wüste. Keystone/photo researchers/Ray Ellis

Wasser im Teller:
„Virtuelles Wasser“ ist die Bezeichnung für das Wassers, das für die Produktion eines Gutes verwendet wird. In der Landwirtschaft. Für die Weiterverarbeitung (z.B. Waschen). Für die Produktion industrieller Güter. Die Menge des virtuellen Wassers ist meistens um ein Vielfaches grösser als die Wassermenge, die im Endprodukt noch enthalten ist. Ein Kilo Rindfleisch zum Beispiel enthält real 5 bis 7 dl Wasser. Für die Produktion waren jedoch 15'000 Liter nötig, virtuelles Wasser eben.
Ungleicher Wasserbedarf
Für die Produktion von Fleisch wird durchschnittlich fünf- bis zehnmal soviel Wasser verwendet wie für die Produktion von Getreide, Gemüse und Früchten. Zudem kann sich der Wasserbedarf für die Produktion von einem Nahrungsmittel je nach Region unterscheiden. Dies zeigt das Beispiel der Tomate deutlich: Durchschnittlich stecken in einem Kilo Tomaten 13 Liter Wasser. Wachsen die Tomaten allerdings in Israel, brauchen sie fast doppelt so viel Wasser wie in Spanien. Schweizer Tomaten brauchen noch weniger Wasser als die spanischen, denn in einer heissen und trockenen Region „schwitzt“ die Pflanze mehr und verliert mehr Wasser als in einer kühleren Gegend.
Virtuelles Wasser in unseren Nahrungsmitteln:
| 1 kg Kartoffeln | 255 Liter |
| 1 kg Brot | 1‘300 Liter |
| 1 kg Reis | 3‘000 bis 5‘000 Liter |
| 1 Apfel | 70 Liter |
| 1 Hamburger | 2‘400 Liter |
| 1 Tasse Kaffee | 140 Liter |
| 1 Tasse Tee | 35 Liter |
| 1 Dose Coca Cola | 2,5 Liter |
Mehr Informationen: Partnerschaft 3/2007 (pdf)

Helvetas Projekte
Jährlich unterstützt Helvetas 300’000 Bauern, die mit nachhaltigen Anbaumethoden Wasser sparen und die Ernährungssicherheit langfristig verbessern wollen. Drei Beispiele:
- Weniger Wasser, mehr Ernte
- Kaktus
- Flussbetten erblühen
Bäuerinnen und Bauern im Süden Kirgistans können ihre Pflanzen gezielter bewässern, seit sie Plastikschläuche mit Löchern verwenden, die das Wasser direkt zu den Pflanzenwurzeln leiten. Dank der Tröpfchenbewässerung wird der Boden vor Erosion geschützt und bleibt länger feucht. Die Bauern verbrauchen zwei- bis dreimal weniger Wasser, ernten jedoch bis zu dreimal mehr.
Helvetas fördert in Äthiopien den Anbau von dürreresistenten Kakteen, damit arme Bauern trotz Wassermangel Nahrung und Einkommen erwirtschaften können. Auf den kargen Böden gedeihen sonst kaum Pflanzen.
In Nepal unterstützt Helvetas Landlose darin, Gemüse in fruchtbaren Flussbetten anzubauen, die während der Trockenzeit kaum Wasser führen. Tausende von Familien profitieren davon.
Film: Riverbed Farming www.youtube.com/watch?v=SrCoW2iHOuE
Weitere Informationen:
Zum Kaktus-Projekt in Äthiopien: Partnerschaft 1/2009
Zu Bewässerungsprojekten in Kirgistan und Mosambik: Partnerschaft 3/2010

